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Empathie


Unter Empathie wird die Fähigkeit verstanden, sich in andere Menschen aber auch in andere Lebewesen hineinversetzen zu können, ihre Situation und ihre Gefühle nachvollziehen zu können und dementsprechend Mitgefühl zu empfinden. Sie wird heute erforscht und als soziale Fähigkeit wertgeschätzt. Tatsache ist, dass Menschen, denen die Empathie völlig fehlt, zu Psychopathen werden können. Die Mehrheit der Menschen hat empathische Fähigkeiten, unser gesamtes soziales Leben ist darauf aufgebaut und auch darauf angewiesen. Man ist nur dann bereit, einem anderen Menschen ohne Entlohnung zu helfen, wenn man über die Empathie seine oder ihre Lage mitempfinden kann.

Die Entdeckung der "Spiegelneuronen" im menschlichen, aber auch im tierischen Gehirn war ein wichtiger Schritt zur wissenschaftlichen Anerkennung der Empathie als körperlich verankerte Fähigkeit.

Unter den Hochsensiblen gibt es die Gruppe der Empathen, das sind Menschen, bei denen die Empathie in einem weit größeren Maß ausgebildet ist als bei anderen. Ich gehöre zu dieser Gruppe, meine angeborene Empathie begleitet mich durch mein gesamtes Leben. Empathie und Intuition liegen sehr oft eng nebeneinander: wenn man spürt, was in anderen Menschen vorgeht dann hat man auch manchmal intuitive Ideen, was in einer bestimmten Situation das Beste ist. Sowohl Empathie als auch Intuition erfordern einen offenen Geist, der Impulse aus der Außenwelt und aus der eigenen Innenwelt registrieren und auf sie reagieren kann. Empathie bekommt Informationen von anderen Lebewesen, Intuition bekommt Informationen aus der eigenen Seele.

Empathen, die nicht wissen, dass sie Empathen sind, haben oft eine endlose Reihe von Gefühlen, Wahrnehmungen, Körperempfindungen mit den dazu gehörigen Gedanken und halten alle diese Bewegungen in ihrem Inneren für einen Ausdruck ihrer eigenen Psyche. Das ist ein Irrtum, der viel Zeit und Kraft kosten kann. Sehr schnell kann das Gefühl entstehen, man sei wirklich neurotisch. Empathen, die einen Raum mit einer Gruppe betreten, können geradezu von einer Welle von Emotionen und Empfindungen überrollt werden. Wenn die Empathie unbewusst ist hält dann der Empath diese Gefühle für die eigenen und meint, er oder sie sei nicht gruppenfähig.

Der Weg von Intuitiven und Empathen in unserer Welt ist meistens nicht einfach, da sie in den seltensten Fällen über ihre Veranlagung aufgeklärt werden und noch weniger Unterstützung bekommen.

Der erste Schritt, um einen guten Umgang mit der eigenen Empathie zu lernen ist die Bewusstwerdung. Wenn mir ganz klar ist: `diese Gefühle und Impulse sind im Moment nicht meine eigenen´, kann ich innerlich einen Schritt zurücktreten. Dann kann ich entscheiden, wie ich mit meinen Wahrnehmungen umgehen möchte: gehe ich aus der Situation heraus, spreche ich meine Gefühle und Wahrnehmungen an, warte ich etwas, beobachte ich weiter..., auf diese Weise hat man die Wahl.

Wenn es gelungen ist, eine kleine innere Distanz herzustellen ist es auch nicht mehr nötig, automatisch mitzuleiden. Es gibt eine empathische Wahrnehmung, bei der man die Gefühle anderer sogar am eigenen Körper miterlebt (weinen, Herzschmerzen...) und gleichzeitig ganz in seiner eigenen Mitte ist. Das Herz ist bei dem anderen Menschen, die eigenen Gefühle sind aber nicht involviert.

Ich habe meine eigene Anlage zur Empathie und zur Intuition so weit geschult, dass ich sie auf diese Weise in meinen Beratungen und Therapiesitzungen einsetze. Das ermöglicht eine sehr tiefe und verständnisvolle gemeinsame Arbeit, die immer den momentanen Standpunkt des Klienten berücksichtigt und einbezieht.

Gerne berate ich auch hochsensible Empathen, die sich noch einige Umgangsweisen mit ihrer Veranlagung aneignen möchten.


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